ZOB Wiesdorf

Leverkusen
Steckbrief
  • Ort
    Leverkusen
  • Plaungs- & Bauzeit
    07/2016 - 03/2020
  • Bauherr
    Stadt Leverkusen - FB Tiefbau
  • Planer
    OSD office for structural design, Frankfurt; Day&Light Lichtplanung, München; WEIGELT Ingenieurgesellschaft mbH, Köln; Katja König Landschaftsarchitektin bdla, Darmstadt; HALFKANN+KIRCHNER Part GmbB, Erkelenz;
  • Größe
    2.300 m² BGF
  • Funktionen
    Zentraler Busbahnhof, Busfahreraufenthalt, Kiosk zum späteren Ausbau
  • Kategorien
    umsteigen
Beschreibung

STÄDTEBAULICHE EINBINDUNG
Die erforderliche Neuplanung des ZOB Leverkusen wurde von uns Preisträgern des Planungswettbewerbs von 2016 genutzt für einen 1. Baustein eines zukünftigen Mobility-Hubs. Die städtebauliche Neuordnung bedeutet für Leverkusen eine Abkehr von bisher prägenden Elementen einer autogerechten Stadt, hin zu einem zeitgemäßen, innerstädtischen Auftritt intermodaler Elemente.

Erreicht wurde ein transitorischer Raum von urbaner, identitätsstiftender und lebendiger Aufenthaltsqualität, welcher bisher schmerzlich vermisst wurde.

Das gestaltprägende und leichte Dach des neuen Mittelbussteiges löst sich in der inneren Organisation von den Zwängen der linearen Aufreihung von Haltepunkten, ohne an Funktionalität einzubüßen. In einem zweiten Bauabschnitt wird eine Neuordnung des Gesamtraumes mit Aufnahme von weiteren Funktionen, wie Fahrradparkhaus, Warte- und Serviceräumen, eine neue Anbindung des Rhein-Ruhr-Expresses und des Radwegenetzes erfolgen.

ARCHITEKTONISCHE QUALITÄT/ INNOVATIVE KONSTRUKTION UND TECHNIK
Das Formbildungsprinzip des gestaltprägenden Mittelbussteiges ist zugleich lesbares und lastabtragendes Prinzip. Ausgehend von einem 3D-Modell mit 8 nach unten ausgezogenen Trichtern ergeben sich gegensinnig gekrümmte Flächen für eine Membran, welche von einem Randträger gehalten werden und frei über lastabtragende Spanten zu Stützenbündeln geführt und dort verankert werden. Je 3 horizontale Ringe halten über Ringkräfte (Isobaren) die Spanten. Diese dienen auch der Aufnahme der Beleuchtung und bilden selbstverständliche Orientierungspunkte, Wartezonen und Entwässerungsbereiche. Diese Synthese von Formbildungsgestalt und Tragwerk ist gestaltprägender - architektonischer Ausdruck - ohne jegliche Zutaten oder entbehrlicher Designelemente.

Als Membran wurde eine verschweißte, beschichtete und schwer entflammbare PVC-Bahn der Qualitätsstufe 4 mit randseitigem Keder verwendet. Die Semitransparenz erlaubt darüber hinaus eine reduzierte, tageslichtabhängige Steuerung der Beleuchtung.

FUNKTIONALE ASPEKTE UND NUTZUNGSFLEXIBILITÄT
Die Haltepunkte der sägezahnartigen Busbuchten nebst Fahrgast-informationssystemen sind unabhängig von der Dachkonstruktion frei aufgestellt und veränderbar. So wurden im Zuge der Planung Haltepunkte für Gelenkbusse, abgesenkte, behindertengerechte und taktile Elemente eingefügt ohne Auswirkung auf die weit fortgeschnittene Tragwerksplanung der Überdachungskonstruktion.

NACHHALTIGKEIT UND RESSOURCENEFFIZIENZ
Bauten im öffentlichen Raum besitzen hohe Anforderungen hinsichtlich Dauerhaftigkeit, Robustheit und Wartungsarmut. Dies wurde ausgiebig mit dem Bauherrn und sonstigen Beteiligten diskutiert und Grundlage der Planung.

Die Membran überdeckt freispannend die gesamte Stahlkonstruktion. Diese ist somit witterungsgeschützt. Weiterhin ist die Membran in 8 unabhängige Segmente unterteilt, was eine Austauschbarkeit auch in Teilbereichen ermöglicht. Eine Teflonbeschichtung erlaubt einen geringen Wartungs-, Reinigungs- und Pflegeaufwand. Die Membran kann nach Ende der zugesicherten Standzeit (größer 20 Jahre) recycelt werden.

Für die Stahlkonstruktion wird eine unbegrenzte Standzeit als Langzeitkonstruktion angestrebt.

Nachhaltigkeit bedeutet für den neuen ZOB-Standort Leverkusen insbesondere eine dauerhafte, zukunftsorientierte Synthese aus ökologischen, ökonomischen und sozialen Anforderungen. Dies bedeutet neben der Langlebigkeit, Austausch- und Recyclingfähigkeit insbesondere hohe Anforderungen an die Aufenthaltsqualität, das subjektive wie objektive Sicherheitsempfinden. Erste Rückmeldungen der Nutzer bezeugen eine hohe Akzeptanz und ein hohes Wertigkeitsempfinden des realisierten Bauwerks.